Speicherlösungen müssen heute groß, schnell und vor allem im Netz(-werk) verfügbar sein - dem Cloud-Computing-Hype sei Dank... Das Zauberwort heißt NAS und steht für "Network Attached Storage". Die Anschaffung eines solchen Geräts macht in meinen Augen auch durchaus Sinn. So kann man von mehreren Rechnern auf die gespeicherten Daten zugreifen und Dank Gigabit-LAN (das heute auch nichts mehr kostet) bremst das Netzwerk die Datenübertragung auch nicht mehr.
Auf dem Markt finden sich derzeit diverse Produkte, die neben einfacher Installation, Administration via Webinterface und schnellem Gigabit-LAN auch gleich RAID-Funktionalität mitbringen - sich auf den ersten Blick also als schneller und sicherer Netzwerkspeicher eignen.
Vor etwa einem Jahr griff ich zu der ~120€ wiegenden Icybox IB-NAS4220-B. Der Preis erschien mir recht gut - andere Lösungen schlugen gerne mit dem dreifachen zu Buche. Gleich vorab: Finger weg! Das gute Teil hielt nicht die Hälfte der Versprechen, die auf der Verpackung standen...
RAID wird vom auf dem ARM-Prozessor laufenden embedded Linux über mdadm realisiert. Allerdings weigerte sich das Gerät bei mir standhaft, zwei Platten im RAID-1-Verbund zu betreiben. Das äusserte sich ganz konkret darin, dass nach jedem Neustart die Box "vergessen" hatte, dass die Platten überhaupt als RAID-Verbund betrieben werden sollten.
Damit nicht genug: So war das Gigabit-LAN nicht in der Lage, mehr als 6MB/s zu übertragen. Abhängig vom Protokoll sogar noch weniger. Der Grund war wohl der Prozessor, der schlicht nicht in der Lage war, die Daten schnell genug zu bearbeiten.
Dass der temperaturgesteuerte Lüfter, der laut Herstellerseite für ein "Quite Case" sorgen soll auch im Idle-Mode gut hörbar ist, war dann da schon Nebensache: Das Teil ging zurück an den Hersteller.
In letzter Zeit habe ich viele Berichte und Tests über NAS-Systeme gelesen und viele Geräte scheinen immer noch auf schwache Rechenleistung zu setzen, was sich dann in einer Übertragungsrate niederschlägt, die zu wünschen übrig lässt. Caschy hatte sogar derartige Probleme mit der Übertragungsrate bei einem System, das auf einen Atom setzt und daher eigentlich genug Rechenpower mitbringen sollte.
Mich hat das Hickhack derartiger Fertiglösungen dazu bewogen, ein NAS im Eigenbau aufzuziehen. Das Ganze ist preislich vertretbar (~370€ inkl. 2 Festplatten), dank Atom-Prozessor mit mehr als genug Rechenleistung versehen und durch Ubuntu Server als Betriebssystem für jeden Quatsch einsetzbar. Nur die "schöne" Weboberfläche zur Administration ist dann halt nicht dabei...
Ich bin jedenfalls restlos zufrieden mit meinem Eigenbau-NAS. Die Datenübertragungsrate erreicht gerne mal 55MB/s und das System hält neben dem Einsatzzweck als sicherer Massenspeicher auch als Homeserver her, auf dem jeder beliebige Linuxdaemon läuft.
Wer da ebenfalls Interesse hat, hier eine Einkaufsliste:
- Atom-Board: ~70€
- 1GB DDR2 RAM: ~20€
- Gehäuse inkl. Netzteil: ~100€
- 2 * 1.5TB Festplatte: ~180€
Um die Festplatten zu schonen kann man das System dann noch auf einer CompactFlash-Karte installieren, die man mittels eines Adapters (bekommt man für ~1-2€ bei ebay) an den IDE-Port anschliesst.
Nutzt man Ubuntu als OS, lässt sich das RAID recht einfach via mdadm einrichten, ein Samba-Server ist für die Verbindung zu Windows zuständig. Was braucht man mehr?