Seit Januar 2008 gibt es hierzulande ja die Vorratsdatenspeicherung, nach der Provider verpflichtet sind, verdachtsunabhängig alle anfallenden Verkehrsdaten bei Kommunikation via Internet und Telefon aufzuzeichnen und für 6 Monate vorzuhalten. Das Ganze ist natürlich nicht unumstritten und in Sachen Datenschutz und Grundrecht höchst bedenklich. Schliesslich wird da akribisch aufgezeichnet, wer wann mit wem telefoniert hat, welche Webseiten er besucht hat und so weiter und so fort…
Im Zeitalter des immer weiter um sich greifenden Überwachungswahns war ich dann doch sehr überrascht, als ich mir letztens einen UMTS-Stick auf Prepaidbasis zusammen mit einer entsprechenden SIM-Karte zulegte. Ihr kennt das ja sicher: Handyvertrag abschliessen? Da wird erstmal der Perso kopiert und die Seriennummer ins Firmennetz eingepflegt, die Schufa-Glaskugel wird befragt usw. Dass hier noch keine Nacktscanner eingesetzt werden ist schon alles… Unterm Strich wird einem (sicherlich nicht ungewollt) der Eindruck vermittelt, dass man "da oben" hundertprozentig sichergehen will, dass alles, was du mit deinem Handy-/Internet-/Telefonanschluss verbockst, auch ja zu dir zurückverfolgt werden kann. Big Brother is watching you…
Und dann das: Bei Aldi bekommt man für 12,99€ einen Umschlag in die Hand gedrückt, in dem man eine SIM-Karte fürs EPlus-Netz findet. Völlig anonym. Ohne Kopieren des Personalausweises oder Angabe irgendwelcher Daten. Für die Freischaltung der Prepaidkarte (10€ Startguthaben sind inbegriffen, die restlichen 2,99€ sind Anmeldegebühr) genügt es, auf der Webseite von Aldi-Talk bzw. Medionmobile ein Formular auszufüllen. Und da kann man dann irgendwas angeben… Im Ernst! Die schalten das frei!
So kommt man dann auch tatsächlich an einen völlig anonymen Handyvertrag, mit dem sich auch via UMTS eine Verbindung ins Internet herstellen lässt. Man sollte bei der Registrierung vielleicht (irgend-)eine real existierende Adresse wählen, einen nicht den auf den eigenen Namen laufenden Internetanschluss verwenden und die Karte auch in kein Gerät einlegen, dessen IMEI auf den eigenen Namen registriert ist. Wer das Internet dafür nicht nutzen möchte oder kann, kann alternativ die Registrierung per Telefon, Fax oder Post vornehmen. Kurze Zeit später meldete jedenfalls mein ebenfalls bei Aldi für 59,99€ erworbener UMTS-Stick (Huawei S4011), dass er betriebsbereit wäre.
In Zeiten, in denen sogar durchgesetzt wird, dass Handys nur noch mit aktivierter SIM-Karte den Notruf wählen können (weil das ja sonst mißbraucht wird), totaler Vorratsdatenspeicherung (weil man damit ja soo viele Schwerverbrecher fängt) und anderen Spässen, die Orwells 1984 wie einen Disneyfilm wirken lassen, hat es mich doch wirklich sehr gewundert, dass so etwas noch möglich ist.
PS: Wen es sonst noch interessiert: Mit 1,99€ pro Tag oder 14,99€ Pro Monat ist das Angebot von Aldi-Talk aktuell das günstigste, von dem ich weiss…
PPS: Der Stick funktioniert auch unter Ubuntu – wenn auch hier nur über Umwege. Während für Windows und MacOS X Software auf dem Stick mitgeliefert wird, muss man hier den Network-Manager bemühen. Unter “System -> Preferences -> Network Connections” trägt man unter “Mobile Broadband” über “Add” eine neue Verbindung ein. Ein Assistent bietet vollautomatisch die korrekten Einstellungen für Aldi-Talk an. Ich musste allerdings zusätzlich noch manuell im Network Manager einen DNS-Server eintragen, um surfen zu können.
Wer wie ich den Network Manager durch wicd ersetzt hat, bekommt eventuell Probleme, da wicd keine UMTS-Verbindungen unterstützt. Hier muss eine zusätzliche Software wie umtsmon aushelfen. Obwohl ein baugleicher Stick im O2-Netz bei Kollege Skydancer problemlos mit umtsmon lief, funktioniert das Ganze mit dem Aldi-Stick (zumindest bei mir) nicht. Wer da eine alternative Lösung parat hat – nur her damit!